B-Side

Discography

Bio

B-Side ist ein Produzent, dessen Geschichte und Entwicklung sich wahrscheinlich nicht großartig von den meisten seiner Beatmaker-Kollegen im deutschen Raum unterscheidet – doch grade weil er eine geradezu klassische Hip-Hop-Sozialisation hinter sich hat und mit einem vollkommen regulären Studio-Setup arbeitet, sticht sein musikalischer Ansatz aus dem riesigen Einheitsbrei der hiesigen Hip-Hop-Producer besonders heraus. Liest man sich durch seine Biographie und betrachtet man die Werkzeuge, mit denen er seine Instrumentale zusammenbaut (Fruity Loops als Software, Midi- Keyboard und – Pad sowie der obligatorische Plattenspieler), läuft man schnell in Gefahr, ihn als eine weitere einfache Begleiterscheinung einer Genre-Entwicklung abzutun, die mittlerweile eine ungeheure Masse an Bedroom-Produzenten hervorgebracht hat, welche mehr oder weniger alle durch den gleichen Output bestechen, der nur durch Nuancen zu unterscheiden ist; B-Side ist zwar genauso ein solcher Bedroom-Producer, ihn als bloßen Nutznießer eines momentan explodierenden Phänomens abzutun, tut seiner Person, aber vor allem seiner Musik allerdings ein himmelschreiendes Unrecht. Dies sollte alleine schon ein Blick bzw. ein Reinhören in die diesjährigen musikalischen Veröffentlichungen B-Sides beweisen: Auf „Noir“ (mit Sane Crazy), „RGOBG“ (mit NDA) oder seiner Solo-EP „Echoes“ (die ein Teil der Vinyl-Digital- Reihe „Expeditions“ ist) besticht er durch einen Soundentwurf, der zwar auf traditionelle Hip-Hop- Instrumentalstrukturen zurückgreift, diese aber rhythmisch aufbricht und mit einem bisweilen fast experimentellen Vibe besticht – jedes der drei Releases hebt sich jeweils vom anderen ab und doch leben alle gleichermaßen von einem Gefühl, dass sich auf diese Weise nur bei B-Sides Beats einstellt und diesen als Produzenten zu einem zu einem der spannendsten Talente der hiesigen Gefilde machen. Die Faszination, die seine Intrumentale ausmacht, lässt sich verbal mehr schlecht als recht formulieren, doch immerhin ist es möglich die bereits erwähnte Geschichte des Beatmaker B-Side aufzuarbeiten, um die Möglichkeit zu bieten, sein Schaffen zumindest in Ansätzen einordbar zu machen: B-Side kommt ursprünglich aus einem Dorf nahe dem Hip-Hop- trächtigen Städtchen Darmstadt und beginnt, inspiriert durch damalige Rap-Größen wie Gang Starr und Immortal Technique, aber auch Kool Savas oder Azad, mit 13 Jahren seine ersten Schritte im Hip-Hop- Kosmos zu gehen. Das musikalische Schaffen der Produzenten-Hälfte Gang Starrs, DJ Premier, oder anderen Produzenten wie 9th Wonder, beeindruckt den jungen Fan so sehr, dass er sich in seiner Freizeit schon bald komplett auf die Produktion von Beats konzentriert. Nach einer fast vierjährigen Drum’n’Bass-Phase führt die Zusammenarbeit mit dem befreundeten Philanthrope zur Gründung von B-Sides erster Producer-Crew (Raw Melodies mit Randy J. Pop aka Baustronauf und besagtem Philantrope) und ihn damit wieder auf die Pfade klassischer, Sample- basierter Produktion. Es folgt eine Kollaboration mit Tits („Tits‘ Tape (Vol. 1)“), mit dem er im Anschluss, zusammen mit Kai Lippok und Pele, die Bergsträßer Kammermusik bildet und das gleichnamige Mixtape veröffentlicht. Das Studium der Klangtechnik treibt ihn, nach dem ersten lokalen Buzz, in die Arme der Mutterstadt Berlin, wo er zusammen mit Rapper Cortez die EP „Deutscher Rap ist Klassik“ über Diggidy Pop released. Die Connection zu Cortez und Diggidy Pop verhilft ihm nicht nur zu einem weiteren Release zusammen mit Pele, sondern auch zur Bekanntschaft mit Sane Crazy und Shumee (eine Hälfte von NDA) und legt damit den Grundstein für seine diesjährigen Releases, die sich wohl auch zu den kohärentesten seiner Veröffentlichungen zählen lassen. Dabei lässt sich noch nicht einmal sagen, dass B-Side seinen endgültigen Sound gefunden hätte; in seiner momentanen musikalischen Entwicklung bewegt er sich fast wieder von seinem Sample- basierten Klangentwurf hin zu einer Kombination mit organischeren Elementen wie Synthies und analogen Instrumenten. Trotzdem lässt sich eine B-Side- Produktion sofort von anderen unterscheiden, denn jeder seiner Beats lebt von einer ganz speziellen Atmosphäre, die seine Musik komplett einzigartig erscheinen lässt – auch wenn er sie, zu Zwecken der Einordnung, gerne mit Figub Brazlevic’s Definition „Old School Future Tribe“ kategorisiert. Diese Herangehensweise an seine Produktion mündet, in Kombination mit einem längst nicht mehr laienhaften Verständnis von Musik, in einer derart massiven Ansammlung von A-Klasse- Beats, dass B-Side derzeit an die zehn Releases und etliche einzelne Songs in der Pipeline hat; diese entstehen größtenteils in Zusammenarbeit mit andern Künstlern, sodass sich zum jetzigen Zeitpunkt keine genauen Angaben im Sinne von Veröffentlichungsdaten geben lassen – doch es kommt Einiges, und vor allem Großes auf die hiesige Hip-Hop- Szene zu.